Tipps, Griechenland

Warum eine Pauschalreise nicht das richtige für uns ist

All-inclusive Urlaub am Strand, gutes Essen, sich um nichts kümmern zu müssen oder doch Schnäppchenjäger? Viele Leute buchen Pauschalreisen genau aus diesen genannten Gründen – Abzuschalten, ohne organisatorischem Aufwand während der Reise, und am besten alles im Voraus bezahlen, damit man sich vor Ort auch keine Sorgen mehr darüber machen muss.
Bitte versteht uns nicht falsch – wir verurteilen diese Menschen keineswegs, und Geschmäcker sind ja was Urlaub angeht genauso verschieden. Wir wollen uns auch nicht über diese Art von Touristen lustig machen oder den einen oder anderen Pauschalreisen-Leser hier angreifen. Wir wollen in diesem Artikel lediglich die Problematik der Pauschalreise behandeln, die wir gerade wieder in diesem Urlaub hautnah am eigenen Leib erfahren durften.

Wie es überhaupt zu dieser Pauschalreise kam…

Eigentlich hatten wir nicht mehr vor, eine Pauschalreise zu buchen, nachdem wir damals in Rhodos diese nicht so positive Erfahrung machten. Der ursprüngliche Plan war nämlich, dieses Jahr um den 1. Mai herum mit dem TGV nach Paris zu fahren, die Stadt erkunden, viel zu viel Wein trinken & Baguette mit Käse essen, sowie stundenlang durch die Straßen von Paris zu laufen, in der Hoffnung, neue und spannende Orte zu entdecken und mit Einheimischen die ein oder andere Diskussion zu führen. Aber nein, unsere netten Nachbarn die Franzosen machten uns leider einen Strich durch die Rechnung, da die gesamte SNCF (französische Bahn) über mehrere Wochen an verschiedenen Tagen streikte, und natürlich lag unser Abreisetag auf einem Streiktag. Somit waren unsere Optionen relativ limitiert zu dem Zeitpunkt (2 Wochen davor). Eine alternative wäre ein anderer Städtetrip gewesen aber die meisten Flüge waren über den Feiertag schon ausgebucht oder so teuer, dass es nach Rom gleich teuer wäre wie nach New York zu fliegen. Da bei uns in Luxemburg das Wetter die meiste Zeit nicht gut ist, entschieden wir uns in die Sonne zu fliegen, und Paris ein anderes Mal zu besuchen. Unsere Kriterien für diese Reise waren:

• Schönes Wetter (am besten Bikini Wetter)
• Eine Gelegenheit zum Schwimmen
• Maximum Kosten 500€ pro Person
• Bestes Flug/ Zeit Verhältnis
• Entspannung (eventuell mit Wellness)
• LGBTQ friendly
• Gutes Essen

 

Wohin sollen wir gehen, wenn die Flüge super teuer bzw. ausgebucht sind ?????

Wir waren so verzweifelt, dass wir sogar in ein Reisebüro gingen um uns Angebote einzuholen. Machen wir prinzipiell nie da wir uns die Reisen am liebsten selbst zusammenstellen und eher Inspirationen von Bloggern holen als von Katalogen die im Reisebüro rumliegen, und wir uns viele Sachen schlichtweg nicht leisten können. Unsere erste Idee war ein Ferienhäusschen in Sardinien: akzeptable Flugpreise und super Häuserpreise vor Ort. Allerdings machte uns die Versorgung vor Ort einen Strich durch die Rechnung, da wir selber kochen mussten und uns auch auf jeden Fall einen Mietwagen holen mussten. Zu viel Aufwand für die paar Tage. Eine weitere Destination wäre die Küste von Holland gewesen, allerdings hatten wir hier keine Wettergarantie. Die Küste Hollands ist wunderschön, allerdings nicht bei schlechtem Wetter.

Durch Zufall entdeckten wir eine Pauschalreise mit super Flugzeiten, einem wunderbaren 5* Hotel in Griechenland, 100 km südlich von Thessaloniki entfernt, gelistet von einer Last-Minute Website.
Unsere Kriterien wurden erfüllt und einem tollen Pauschalurlaub stand nichts mehr im Wege.

Reise gebucht, aber wie genau funktioniert jetzt pauschal?

Eine Woche vor Abflug erhielten wir unsere Reiseunterlagen: 2x Rail & Fly, 2x Hin & Retour Tickets, eine 10% Parkreduktion am Flughafen in Frankfurt sowie den Hotelgutschein. Rail & Fly konnten wir direkt vergessen, da dieses Angebot nur innerhalb von Deutschland gültig ist, und wir aber in Luxemburg wohnen. Der Parkgutschein sah schon interessanter aus, leider war das angebotene Parking aber voll und wir mussten uns für insg. 30€ noch Parking dazu kaufen.
Die erste Hürde war bereits der Online-Check in. Für uns war es das normalste auf der Welt, einen Tag vor Abflug online einzuchecken um Sitzplätze möglichst nebeneinander zu bekommen. Leider läuft das nicht so mit Pauschal. Pauschalreiser bekommen nämlich keine Buchungsreferenz des Fliegers, auch auf Anfrage nicht. Auch der Fluggesellschaft- Infostand am Flughafen konnte uns diese Info aus welchem Grund auch immer nicht gehen. Also blieb uns nichts anderes übrig, als uns mit den ganzen anderen Pauschalreisenden in die Reihe (nicht die dropp-off Reihe leider) zu stellen, und auf die alte Tour einzuchecken. Natürlich waren unsere motivierten Begleiter schon vor uns da, und wir bekamen leider keine Sitzplätze nebeneinander. Davon geht die Welt zwar nicht unter, aber wehe es wäre einem anderen Pärchen passiert, dann wäre schon vor dem Abflug Stress pur gewesen, denn schließlich haben sie ja alle sehr viel Geld dafür bezahlt, dass alles perfekt abläuft.

 

Next Step – Klassenfahrt zum Hotel

nennenswerte Ereignisse. Die Gepäckausgabe war jedoch die nächste Hürde. Voller Angst, dass die lieblings-Badehose oder das T-Shirt, dass immer erst im Urlaub ausgepackt wird nicht angekommen ist, drängen sich verschiedene urlaubsreife Pauschalreiser vor uns um ja den Koffer früher zu
Der Flieger der Urlaubsfluggesellschaft war bis auf den letzten Platz gefüllt, und verlief ohne
bekommen als andere. Vielleicht haben sie auch einfach nur Angst, ein anderer Tourist könnte aus Versehen den Koffer nehmen und sind deswegen extra vorsichtig.
Weiter geht’s nach der Gepäckausgabe zum Transfer ins Hotel. Normalerweise reisen wir entweder per Taxi oder per Öffis, aber dieses Mal war sogar ein Transfer inkludiert. Ein freundlicher Buschauffeur nahm unseren Koffer entgegen und wir durften im klimatisierten Bus Platz nehmen. Leider wurde unsere Abfahrt etwas verzögert, da nicht jeder auf Anhieb, trotz Reiseleitung und Beschilderung den richtigen Bus fand. So kam es, dass wir natürlich auch nicht nur unser Hotel anfuhren, sondern ein paar weitere. Im Stil einer Klassenfahrt ging es raus aus der Stadt und Richtung Süden. Endlich angekommen, verließen auch ca. 80% der Fahrgäste den Bus. Hm.. von ein paar waren wir schon innerhalb der letzten 2h genervt, dass konnte ja noch heiter werden…

Hotel, Essen, Anlage und Aktivitäten

Unser Zimmer im Anthemus Sea Hotel mit Gartenblick wurde zur Missgunst einiger Mitreisenden zu einer Wellness-Suite upgegraded. Wir hatten dies im Vorfeld angefragt und waren super happy über dieses Upgrade.

An dieser Stelle ist wirklich ein riesen Dank an das Personal des Hotels angebracht: die Leute waren sehr kompetent, immer freundlich und haben unseren Urlaub unvergesslich gemacht.

 

Uns wurde praktisch jeder Wunsch von den Lippen abgelesen und fühlten uns in unserer Suite mit eigenem Pool extra wohl, obwohl wir uns wie das Highlight im Hotel vorkamen. Wir fragen uns woran das lag:

• Same sex couple
• Altersdurchschnitt der restlichen Gäste: 35-50
• Keinerlei Blümchenmuster Shirts oder sonstigen Plunder
• Super Wellness-Suite Upgrade

Wie ihr vielleicht schon raushören konntet, waren wir der Blickfang von ein paar Pärchen. Nun gut, da das Aktivitäten Angebot nicht sonderlich groß war, war wohl die Lieblingsbeschäftigung vieler Gäste andere neugierig zu begutachten.
Der Strand war sehr sauber, das Meer klar und natürlich um diese Zeit noch etwas kalt. Nichts desto trotz war es möglich, die Zehen ins Wasser zu strecken und das klare Meerwasser zu genießen.
Das Essen im Hotel war in Ordnung, der Service sehr gut und die Weine auch. Das Buffet wurde jedoch abends von hungrigen Touristen gestürmt, und wir waren noch nicht einmal in der Hauptsaison unterwegs.
Das kulinarische Highlight war jedoch eine kleine Taverne namens Boukadoura Akti Elias, nicht weit vom Hotel weg, jedoch weit genug um tatsächliches griechisches Flair zu erleben. Wir gönnten uns Tsatsiki, geschmolzenen Feta und Meatballs – wirklich sehr zu empfehlen. Wird auch von vielen Locals besucht.

Tiefenentspannt, braun gebrannt, aber trotzdem nichts vom Land gesehen…

Wir waren 4 volle Tage als Pauschalreiser in Griechenland, und konnten endlich einmal so richtig entspannen. 4 Tage waren perfekt – und das Preis / Leistungsverhältnis nicht zu toppen.

Das Hotel ist definitiv weiterzuempfehlen, aber leider mussten wir feststellen, dass wir, obwohl wir in Griechenland waren, außer der Taverne nichts richtig griechisches gesehen haben. Das war zum Teil auch unsere eigene Schuld, da wir zu faul waren, den Hotel Bus bis ins nächste Dorf zu nehmen, jedoch wollten wir nicht mehr Zeit als nötig mit den anderen Gästen verbringen. Und genau das ist der springende Punkt. Eine Pauschalreise ist deswegen nichts für uns, da wir es lieben unsere Trips selbst zu organisieren und zu planen, Fehler zu machen, uns verirren und nicht an jeder Ecke unsere Sprache zu hören. Wir wollen auch nicht den ganzen Tag von anderen Pärchen angestarrt werden, da sie versuchen herauszufinden ob wir zusammen sind bzw. welche Sprache wir sprechen (es ist luxemburgisch). Unsere Zeit in der Wellness Suite war entspannt, wir haben so viel Uno gespielt wie noch nie und hatten wirklich eine gute Zeit in diesem Hotel – aber wir sind nicht die Art von Touristen, die tagelang am selben Strand liegen, ins selbe Restaurant essen gehen und einen geregelten Tagesablauf im Urlaub zu haben. Wir sind die Art von Touristen, die nach dem eigentlichen Urlaub noch Urlaub vom Urlaub brauchen, kaputt und eventuell bankrott sind, aber eine geile abenteuerliche Zeit hatten.

 

 

Das Hotel Anthemus ist sehr zu empfehlen. Das Personal ist zuvorkommend und das Hotel ist auf jedenfall für LGBTQ’s zu empfehlen! Wir wurden immer mit Respekt behandelt und das, obwohl jeder im Hotel wusste, dass wir ein Paar sind. Über den Rest der Region können wir leider nichts sagen, da wir nur unser Hotel gesehen haben.