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Eine Reise quer durch Luxemburg – die Highlights des kleinen Landes

Luxemburg? Ja, schon mal gehört. Gibt es da eigentlich nur eine Stadt oder mehrere? Das Land ist doch so klein – Klischees mit denen wir tagtäglich konfrontiert werden.

Das Großherzogtum Luxemburg ist mit seiner Fläche von 2.586,4 km² und knappen 600.000 Einwohnern eines der kleinsten Länder Europas. Auffällig ist, dass viele Dinge, über die im restlichen Europa noch heiß diskutiert werden, in Luxemburg bereits zur Tagesordnung gehören: So gibt es drei offizielle Amtssprachen (deutsch, französisch und luxemburgisch – ja, auch das ist eine eigene Sprache), Studienbeihilfen und Bildungsurlaub (20 Tage innerhalb von 2 Jahren) und worauf wir beide sehr stolz sind: die Ehe für Alle seit 2015 durch, auch dank unseres homosexuellen Premierminister, der sich sehr stark dafür einsetzte.

Wir wohnen beide in Luxemburg, haben uns jedoch mit den Sehenswürdigkeiten des Landes nicht wirklich auseinander gesetzt, da sie für uns einfach schon selbstverständlich waren.


 
Im Dezember fassten wir jedoch den Entschluss, in Kooperation mit dem Tourismus Büro Luxemburg, die uns netterweise die Luxemburg Card zur Verfügung stellten, die Sehenswürdigkeiten des Landes zu besichtigen. Leider machte uns zwar das Wetter des Öfteren einen Strich durch die Rechnung, aber am Ende unserer Tour konnten wir aber durchaus eine beachtliche Anzahl an Sehenswürdigkeiten abhaken. Im Sommer wird es zu diesem Bericht sicherlich noch ein Update geben, da einige Attraktionen im Winter geschlossen sind.

 
 
Öffentliche Verkehrsmittel

In Luxemburg kann man sich mit dem Zug, Tram mit dazugehöriger Standseilbahn (der soeben fertig wurde) sowie Bus öffentlich fortbewegen. Busverbindungen rund um den Stadtkern sind relativ gut, Zugverbindungen in den Norden hoch auch, allerdings würden wir wirklich davon abraten, weite Strecken mit dem Bus zurück zu legen, da diese oft nicht kommt bzw. verspätet ist. Die öffentliche Verkehrsmittelsituation ist in vielen anderen europäischen Hauptstädten wesentlich ausgebauter und effektiver. Durch mangelnde Infrastruktur greifen leider sehr viele Leute dennoch auf ihr Auto zurück, was wiederum zu enormen Verkehrsstörungen, vor allem zu den Stoßzeiten führt.


 
Nichts desto trotz stiegen wir im Zuge dieser Tour auf die Öffis um. Unser erster Halt war nach einer 1 stündigen Busfahrt das Dorf Vianden, im Nord-Osten des Landes. Das Dorf liegt an der Our, in einer idyllischen Landschaft. Der Grund unseres Besuches war das Schloss Vianden.
 
 

Schloss Vianden

Das Schloss wurde im 14 Jhdt. fertig gestellt und war bis 1820 im Besitz des Grafen von Vianden, der Fürsten von Oranien, sowie den Königen der Niederlande. 1820 wurde es jedoch verkauft und das einst prachtvolle Schloss verfiel zum Ruinenzustand. Erst im Jahre 1890 fiel es in den Besitz der luxemburgischen Großherzog Familie, im Jahr 1977 wurde es entsprechend seiner ehemaligen Pracht restauriert und zählt heute zu den bedeutendsten Baudenkmälern Europas.
Das Schloss ist nach einem ca. 15 minütigen Fußmarsch erreichbar.

Im Sommer bietet sich auch die Gelegenheit, den Sessellift zu benutzen, dieser ist im Winter allerdings geschlossen. Die Führung im Schloss selber ist relativ interaktiv gestaltet und so erweist sich diese als eine gelungene Inszenierung. Das Highlight war jedoch der Film auf einer riesen Leinwand über die Geschichte des Schlosses.

Im Schloss Vianden wurden auch einige internationale Filme gedreht, unter anderem Shadow of the vampire.


 
 

Nationales Museum der Braukunst Wiltz

Das nationale Museum der Braukunst befindet sich im Schloss Wiltz. Vorweg zu sagen ist, dass die Dame an der Rezeption super freundlich war, und wir bestens bedient wurden. Die Führung ist kombiniert mit einem Audioguide und als kleines extra ist neben dem Braukunst Museum auch ein Besuch im Ardennen Offensive Museum sowie dem Gerbereimuseum inkludiert (befinden sich im selben Gebäude).


 
Das Braukunst Museum ist mit alten Artefakten eingerichtet, und das Highlight der Führung ist die Bierverkostung. Allerdings gilt zu beachten, dass lediglich 1 Sorte Bier verkostet werden kann ohne Aufpreis, deswegen wäre hier Abschlussgetränk der passendere Begriff.
Nichts desto trotz ist dieses Museum einen Besuch wert, Wiltz ist ein schöner Ort den man auf jeden Fall gesehen haben muss.
 
 
Kirchberg

Das Plateau Kirchbberg ist das Finanzzentrum des Landes und durch die „rote Brücke“ mit dem Stadtzentrum verbunden. Entlang des großen Boulevard J.F. Kennedys erstrecken sich zahlreiche nationale sowie internationale Banken, der Europäische Gerichtshof, der europäische Rechnungshof und Teile des Generalsekretariats des europäischen Parlaments. Zwischen all diesen Gebäuden finden sich aber auch Monumente der Stadt, wie z.B die Coque (das größte Sport Zentrum in Luxemburg), die Philharmonie sowie das oben erwähnte Mudam.


 
Der Kirchberg ist relativ jung, war das Areal noch bis vor 15 Jahren eine Grünfläche. Die 2017 eröffnete Tram macht es möglich, über den Kirchberg mit der Tram bis zum neuen Bahnhof Pfaffental zu pendeln.
Neben den Museen und der Coque bietet der Kirchberg auch noch ein Einkaufszentrum mit Kino als Freizeitmöglichkeit.
Zum Ausgehen eignet sich der Kirchberg jedoch nicht: Restaurants sind viel zu überteuert und die wenigen Bars sind kaum besetzt. Leider fehlt auch das Publikum im einzigen Club am Kirchberg: dem Gloss.

 

Mudam

Am Gelände des Fort Thüngen, am Kirchberg gelegen befindet sich das Mudam: Musée d’Art Moderne. Das die einzigartige Architektur an die der Pyramide vor dem Louvre erinnert ist kein Zufall – das Mudam wurde vom selben Architekten, Ieoh Ming Pei designed. Die jeweiligen Ausstellungen im Mudam laufen ein paar Monate lang. Wir hatten das Vergnügen, eine Ausstellung von Su-Mei Tse zu sehen. Highlight ihrer Ausstellung ist definitiv der Brunnen Many Spoken Word, bei dem statt Wasser schwarze Tinte läuft. Des Weiteren begutachteten wir noch die Ausstellung zu Ehren von Ad Reinhard: HARD TO PICTURE. Das Mudam bietet jeden Mittwoch ein After Work an, dass sich up to eleven nennt: Der Eintritt ins Museum ist frei und die Türen sind bis 23:00 offen. Auf jeden Fall sehr empfehlenswert.


 
Philharmonie

Mächtig thront die Philharmonie mitten am Kirchberg. Wir finden, dass die Philharmonie eines der schönsten, wenn nicht sogar das schönste Gebäude in Luxemburg ist. Wir waren bis dato erst 2x in der Philharmonie: ein Gospel Chor Konzert sowie die legendäre Summer Closing Party mit verschiedenen DJs. Letzteres ist sehr zu empfehlen, und durch die Architektur des Gebäudes verleiht es den rhythmischen Klängen der House DJ eine ganz andere Atmosphäre.


 
Musèe Dräi Eechelen

Das Museum drei Eicheln befindet sich auf dem restaurierten und teils neu aufgebauten Teil des Fort Thüngen, direkt hinter dem Mudam. Im Sommer ist das Fort Thüngen auf jeden Fall ein Geheimtipp – macht einen Spaziergang durch den Park und bewundert die wunderschöne Aussicht.
Das Museum an sich ist nicht wirklich empfehlenswert, die Aufmachung ist relativ langweilig, aber wie gesagt – der Park bei gutem Wetter ist ein heißer Tipp.


 
 

Clervaux

Die kleine Gemeinde Clervaux liegt im Ösling, dem Norden Luxemburgs und ist Teil der Ardennen. Der Grund unseres Besuches war die Ausstellung The family of Man von Edward Steichen. Die Ausstellung befindet sich seit 1994 im Schloss Clerf.


 
Family of Man

Die Family of Man ist die 1950 begonnene weltberühmte Fotoausstellung vom Luxemburger Edward Steichen. Die Ausstellung ist Mittlerweise ein Unesco Kulturerbe. Die Family of Man ist eine der besten Ausstellungen die wir bisher gesehen haben, und sie hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die Ausstellung zeigt ein umfassendes Porträt der Menschheit zu Themen wie: Liebe, Glaube, Geburt, Arbeit, Familie, Kinder, Krieg, Frieden. Edward Steichen wollte nach dem Krieg versuchen das Verständnis zwischen den Menschen zu fördern. Die Fotografien stellen Menschen so dar wie sie sind und verdeutlichen, dass alle Menschen in irgendeiner Art und Weise gleich sind und erschafft somit ein humanistisches Menschenbild. Die Ausstellung ging auf Welttournee und im Jahre 1966 wurde die letzte noch bestehende Wandversion der Ausstellung dem Staat Luxemburg geschenkt, so wie es sich der Künstler einst gewünscht hatte.
Die Ausstellung ist auf jeden Fall ein Muss für jeden Luxemburg Besucher, Clerveaux ist übrigens auch ganz gut mit dem Zug aus dem Zentrum aus erreichbar.


 
 
Luxemburg Stadt

Die Altstadt von Luxemburg ist seit 1994 als UNESCO Weltkulturerbe gelistet und bietet viele architektonische und kulturelle Highlights. Noch keine Stadt hatte uns bisher mehr geflasht als die Altstadt von Luxembourg. Nicht etwa, weil wir in diesem Land leben, sondern einfach weil sie aussieht wie aus einem Märchenbuch entsprungen.


 

Verwinkelte Gassen, Blockfelsen mit ihren unterirdischen Gängen den Kasematten, sowie Teile der alten Stadtmauer runden das Ganze noch ab.

Unser Rundgang beginnt am Place de la Constitution, am Denkmal „Gëlle Fra“ was so viel bedeutet wie goldene Frau.


 
Das Monument wurde 1923 zum Gedenken an die Luxemburger errichtet, die freiwillig im 1. Weltkrieg gedient hatten und gefallen waren. Die Aussicht auf das gegenüberliegende Bahnhofsviertel, welches durch die Pont Adolphe verbunden ist, ist atemberaubend.


 
Unser nächster Stopp ist der Place Guillaume II, im Volksmund auch Knuedler genannt. Neben dem Reitstandbild, dass Wilhelm den II zeigt, ist am Knuedler auch wochenends immer ein Wochenmarkt zu finden, sowie diverse Veranstaltungen wie z.B Rock am Knuedler finden im Sommer statt.


 
Weiter geht es zum Clairefontaine-Platz, auf dem das bekannte Denkmal der Großherzogin Charlotte steht.


 
Das Highlight der Altstadt ist definitiv der Palast des Großherzogs. Schon irgendwie cool, direkt im Stadtzentrum einen Palast zu sehen. Bewacht wird dieser auch nur spärlich, durch einen Soldaten auf der Vorderseite. Gleich rechts neben dem imposanten Palais befindet sich seit 1859 die luxemburgische Abgeordnetenkammer. Der heutige Bau wurde noch bis 1817 als Rathaus genutzt, als erste Residenz diente er 1817 dem Repräsentanten des niederländischen König-Großherzoges in Luxemburg. Heute wird der eindrucksvolle Palast vor allem für Staatsempfänge und als Bürogebäude für die Großherzogsfamilie und ihre Angestellten genutzt. Am nationalen Feiertag winkt die Großherzogliche Familie vom Balkon aus dem Volk zu.


 
Unweit vom Palast entfernt befinden sich ein paar gute Lokale um abends etwas trinken zu gehen, oder bei gutem Wetter auf der Terrasse die Sonne zu genießen.
Wir werden versuchen, in der nächsten Zeit einen Bar/Disco Guide zu posten, da findet ihr dann unsere Lieblingsplätze.

 

Clausen

Kennt ihr den Film Halloweentown? Genauso sieht unserer Meinung nach das Portal nach Clausen auf. Clausen ist ein Stadtteil im Zentrum von Luxemburg und liegt im Tal der Alzette. Bis vor ein paar Jahren war Clausen wirklich das Party Viertel in Luxemburg. Leider ist vom alten Charme kaum noch etwas übrig. Die schnuckeligen Cafés sehen zwar sehr einladend aus, allerdings ist bis auf ein paar Ausnahmen im Jahr hier fast nichts los. Mittlerweile sind in Clausen auch Firmen wie Amazon und Microsoft angesiedelt. Gesehen muss man es aber trotzdem haben!

 

Pfaffenthal

Das Pfaffenthal ist am besten durch den neuen gläsernen Aufzug, der den Parc Pescatore in der Oberstadt mit dem Pfaffenthal im Alzettetal verbindet, erreichbar. Das Pfaffenthal wird von der roten Brücke überspannt, die ein Wahrzeichen der Stadt ist. Ansonsten kann man im Pfaffenthal gut spazieren gehen, bzw. sich Fahrräder ausborgen.

 

Grund

Am besten erreicht man den Grund, oder auch „Gronn“ genannt mit dem Lift vom Plateau Saint Esprit aus, dem Justiz-Zentrum der Stadt. Der Grund liegt an den Ufern der Alzette und wurde früher hauptsächlich von Handwerkern bewohnt. Heute finden sich im Grund einige gute Restaurants und Cafés. Des Weiteren bietet sich an, vom Grund aus nach Neumünster zu spazieren, um das Abtei Neumünster, das einstige Kloster / bis 1980 Gefängnis zu besichtigen.

 

Unsere Lieblings-Restaurants findet ihr übrigends hier.

 

 

Luxemburg ist, was Homosexualität angeht sehr offen. In Luxemburg gibt es keine richtige LGBTQ Szene, oder Bars. Aber ehrlichgesagt fehlt einem die Szene hier nicht, da gleichgeschlechtliche Paare überall akzeptiert sind, und es keine große Sache ist, wenn diese sich in der Öffentlichkeit küssen oder Händchen halten. Wir sind dankbar, dass wir in so einem offenen Land leben, und dieselben Rechte haben wie heterosexuelle Paare.